[Neue externe Kaufmöglichkeiten] DATUM-Magazin Juli/August 2010: Französischer Autor Olivier Bouillère provoziert mit seinem Debüt „Retro“ einen Skandal
09.07.2010
Olivier Bouillère: "Gewiss ist Olivier der Lust der Anderen unterworfen", sagt er dann, "aber daneben sucht er auch seine Eigene." * Damals zehnjähriger Protagonist und die Pädosexualität
(Zitate) Nur wenige deutsche Kritiker trauten sich an diesen Roman heran: „Empörend“ sei „Retro“, schrieb Stefan Zweifel im Du-Magazin, „skandalisierend“ die Szenen, in denen ein Kind seine Intimität erkunde – und die sich zum „Albtraum pädophiler Schrecken“ wandelten. Es sei das aktuellste Buch zur Debatte über Pädophilie im Schoße Gottes, hieß es. Jetzt liegt es auf einem Tisch in der Berliner Kantine am Berghain, einem angesagten Szenelokal der Stadt. Ruhig legt sein Autor die Hand darauf: Olivier Bouillère, die Neuentdeckung des literarischen Frankreichs ist da. Der Verlag „Matthes & Seitz“ hat zur Lesung eingeladen, in wenigen Minuten beginnt sie..
Salzburg.com präsentiert jeden Monat die besten Geschichten aus der Zeitschrift DATUM - Seiten der Zeit. Das aktuelle Heft Juli/August 2010 ist ab sofort im Zeitschriftenhandel erhältlich.
Wir zitieren wichtige Absätze und Äußerungen des Autors hier:
...Bouillère überlegt. Er kneift die Augen leicht zusammen und beißt mit den Zähnen auf die Lippe. „Gewiss ist Olivier der Lust der anderen unterworfen“, sagt er dann, „aber daneben sucht er auch seine eigene.“ Die Lust des Kindes – tatsächlich war sie Gegenstand von Diskussionen in den Jahren, die der antiautoritären Revolte von 1968 folgten: Als man „sexuelle Befreiung“ von „bürgerlicher Doppelmoral“ forderte und dafür jedes Tabu brechen wollte. Kinder, so hieß es in den Siebziger- und Achtzigerjahren in vielen sich modern gebenden Milieus, hätten ein Recht darauf, ihre Sexualität auszuleben. Für die Achtundsechziger verkörperten Kinder die Utopie von Freiheit und Offenheit und das Versprechen, eigenständig und selbstbestimmt aufzuwachsen. Sie erschienen als ideales Gegenbild zu dem, wie man sich selber empfand: verkrampft und entfremdet durch autoritäre Erziehung...
...„Alain fragt mich, wo ich mich am liebsten streicheln lasse“, schreibt Bouillère in „Retro“, „ich kippe den Hintern leicht hoch. Ich sage zu ihm, dass ich den Namen nicht kenne. Ich zeige darauf. Er sagt zu mir: Das nennt man Damm. Er berührt ihn sanft. Er sagt zu mir, dass das eine sehr zarte Form der Liebkosung ist. Er redet weiter, während er mich streichelt. Er sagt, dass dies die Stelle des fehlenden Eingangs ist. Da haben Frauen ihre Vagina. Er sagt, dass es eine psychoanalytische Theorie darüber gibt. (…) Er küßt meinen Oberkörper. Ich sehe sein Geschlecht aus der Öffnung seiner Unterhose auftauchen. Heute lasse ich ihn weitermachen.“...
...So ist man einmal mehr ratlos, betroffen und verstört und es fällt einem zu „Retro“ nur der Satz ein, den Simone de Beauvoir über den Marquis de Sade geschrieben hat: „Der eigentliche Wert seines Beispiels besteht darin, dass es uns beunruhigt. Er zwingt uns, erneut das wesentliche Problem in Frage zu stellen, das in anderer Gestalt auch unsere Zeit bedrängt: die wahre Beziehung von Mensch zu Mensch.“ http://www.salzburg.com/online/nachrichten/kultur/Duesterer-Trash.html?article=eGMmOI8V6r8BXtQlHjAa0uzw9CAP7x9A82rYwyl&img=&text=&mode=&
(update)DATUM-Magazin(10/07) Titelthema: Spielverderber - Die Pädophilen - Eine "Kinderkrankheit" ? - vom 07.10.2007 DATUM interviewt Norbert de Jonge(PNVD) & Dieter Gieseking(K13online) zum Thema Pädophilie
Das Österreichische Magazin DATUM veröffentlicht in seiner aktuellen Ausgabe einen ausgewogenen Artikel zum Thema der Pädophilie. Die Contra-Positionen finden Sie online im 1. Teil auf deren Webseite. Die Pro-Positionen sind im 2. Teil erschienen. Der komplette Artikel steht mit Fotos & Illustrationen jetzt als PDF-Datei(3,5MB) bereit. Zum Podcast(Hörbeitrag) & Downlaod gelangen Sie hier: http://k13-online.krumme13.org/news.php?s=read&id=842
[Neue externe Kaufmöglichkeiten] DATUM-Magazin Juli/August 2010: Französischer Autor Olivier Bouillère provoziert mit seinem Debüt „Retro“ einen Skandal geschrieben von K13online
am 10.07.2010 um 12:45
Olivier Bouillère Retro
Christian Ruzicska(Übersetzer)
Gebundene Ausgabe 191 Seiten
mit Schutzumschlag
Verlag: Matthes & Seitz Berlin; Auflage: 1 (17. März 2010)
ISBN-13: 978-3882215298
Größe und/oder Gewicht: 20,8 x 13,2 x 2 cm
Preis 19,90 Euro http://k13-online.krumme13.org/text.php?id=834&s=read
Kaufmöglichkeiten geschrieben von K13online
am 09.07.2010 um 16:48
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Olivier ist dreißig und lebt mit Alain, einem Freund, den er kennt, seit er zehn Jahre alt ist, in Paris. Man schreibt das Jahr 1998, man konsumiert Drogen und Alkohol in wechselnden Cocktails, der Freundes- und Familienkreis bildet ein illustres Beziehungscluster, angesiedelt in der besseren Gesellschaft. Man fährt zum Weekend und im Sommer aufs Land, man liest Proust am Swimmingpool und trifft sich mit Amanda Lear. Mit Alain verbindet Olivier eine intime Freundschaft, die, wir erfahren es nicht so ganz genau, auch ihre sexuelle Seite zu haben scheint. Zumindest Alain ist kleinen Jungs recht zugetan. Dass nicht alle Knaben in Alains Umfeld diese Vorliebe goutieren, ist klar, mit einer Ausnahme: Olivier. Die sexuelle Neugier und Experimentierfreudigkeit scheint zu seiner Natur zu gehören, unterstützt von der libertären Atmosphäre in seiner (heute würde man sagen: Patchwork-) Familie in den 1970ern. Das Alles erfahren wir aber erst, nachdem Olivier im Drogenrausch - das würde den Übergang in die andere Zeitdimension am glaubhaftesten erklären - über das Balkongitter von Alains Wohnung steigt und in etwas hinab gleitet, das sowohl an den Brunnen Frau Holles wie an einen Jungbrunnen erinnert. Er taucht wieder auf 1978 im Pool des Feriendomizils seiner Familie und lebt nun sein Leben noch einmal, mit dem Bewusstsein eines 30jährigen (schwulen?) Mannes. Dieses Bewusstsein umfasst sowohl Erinnerungen des kleinen Oliviers, wie das beim ersten Mal war, wie auch die Möglichkeit, durch gezieltes Agieren seinen Lebensweg zu verändern. Dass er das nicht konsequent tut, macht die Spannung des Buches aus und Oliviers Verhalten gegenüber sexuellen Dingen interpretierbar: War er nun immer schon eine kleine Schlampe oder bringt ihn erst sein Erwachsenenwissen in sexuelle Abhängigkeiten und Hardcore-Pornokreise. Zum Schluss die überraschende Wende: Die letzten Seiten stellen Opfer- und Täterwelt auf den Kopf, verwischen alle Gewissheiten über Realität und Fiktion. Keinesfalls p.c., aber äußerst spannend und gut geschrieben.